Antrag: Realisierung einer Sprunganlage im Spickelbad und Ersatzneubau eines wettkampftauglichen Sportbades mit separatem Sprungbecken an der Schwimmschulstraße zur Wiederherstellung und Sicherung zusätzlicher Wasserfläche in Augsburg

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die CSU-Fraktion, die Fraktionsgemeinschaft SPD/ÖDP/Volt, die Fraktion Freie Wähler und die Fraktionsgemeinschaft Generation Aux/FDP/Die Partei stellen folgenden Antrag:

Die Stadtverwaltung wird beauftragt,

1. beim Ersatzneubau des Spickelbades zusätzlich eine Sprunganlage, bestehend aus einem 1-m-Sprungbrett, einem höhenverstellbaren Sprungbrett (1 bis 3 m), einem 3-m-Sprungbrett sowie einer 1-, 3- und 5-m-Plattform, einschließlich einer Wasserberieselungsanlage sowie einer Luftsprudelanlage (Bubble-Anlage) zur Reduzierung der Verletzungsgefahr zu integrieren,

2. schnellstmöglich die planerischen, technischen und finanziellen Voraussetzungen für den Ersatzneubau eines wettkampftauglichen 50-Meter-Sportbeckens mit acht bis zehn Bahnen an der Schwimmschulstraße einschließlich eines separaten Sprungbeckens zu schaffen. Das Sprungbecken soll sowohl für den Vereins- und Schulsport als auch für die Badegäste des Familienbades nutzbar sein und über zwei 1-m- und ein 3-m-Sprungbrett sowie eine 1-, 3- und 5-m-Plattform verfügen.

3. eine Machbarkeitsstudie für die Modernisierung des Familienbades am Plärrer zu erstellen. 

4. dem Sportausschuss und dem Stadtrat diesen Antrag in der Juli-Sitzung mit einer Beschlussvorlage zum Ersatz-Neubau des Spickelbades vorzulegen,

5. noch im Jahr 2026 einen Grundsatz- oder Projektbeschluss zur Realisierung des Ersatzneubaus des Sportbades mit einem separaten Sprungbecken im Familienbad vorzulegen, 

6. dabei insbesondere zu untersuchen, 

  • wie an der Schwimmschulstraße wieder ein wettkampftaugliches Sportbad als Freibad mit einem 50-Meter-Becken mit acht bis zehn Bahnen sowie einem separaten Sprungbecken mit 1-, 3- und 5-Meter-Plattformen sowie zwei 1- und einem 3-Meter-Sprungbrett realisiert werden kann, 
  • welche Möglichkeiten einer späteren Einhausung des neuen Sportbades bzw. Sprungbeckens bestehen, 
  • in welchen Bau- und Realisierungsphasen das Gesamtareal an der Schwimmschulstraße schrittweise weiterentwickelt werden kann, 

7. die hierfür jeweils erforderlichen Planungskosten bereits im Nachtrag für den aktuellen Doppelhaushalt einzustellen und die weiteren erforderlichen Mittel zum Doppelhaushalt 2027/2028 anzumelden, 

8. sicherzustellen, dass der bereits beschlossene Ersatzneubau des Spickelbades mit geringstmöglicher Verzögerung realisiert wird, 

9. gemeinsam mit den Augsburger Schwimm- und Wassersportvereinen, dem Bayerischen Schwimmverband, den Wasserrettungsorganisationen sowie weiteren betroffenen 
Nutzern ein abgestimmtes Gesamtkonzept für die zukünftige Entwicklung der Wasserflächen sowie der Sportbadinfrastruktur in Augsburg für die nächsten 10 bis 15 Jahre zu erarbeiten, 

10. mögliche Förderprogramme – insbesondere die Förderung nach FAG und das Sonderprogramm Schwimmbadförderung SPSF des Freistaats Bayern – frühzeitig zu prüfen, in die Projektplanung einzubeziehen und hierzu frühzeitig mit der Regierung von Schwaben Kontakt aufzunehmen. 

Begründung

Während Augsburg in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen ist, stehen pro Einwohner heute deutlich weniger Wasserflächen in Frei- und Hallenbädern zur Verfügung. Augsburg besitzt derzeit keine ausreichenden Wasserflächen und liegt nach Auskunft von Fachleuten der Stadt Augsburg deutlich unter dem je Einwohner erforderlichen Maß. 

Zudem verfügt Augsburg über keine wettkampftauglichen 50-Meter-Wasserflächen und keinen einzigen 5-Meter-Sprungturm sowie kein 3-m-Sprungbrett mehr, nachdem der Sprungturm im ehemaligen Sportbad an der Schwimmschulstraße vor mehr als 20 Jahren abgebaut wurde und die im Herbst 2025 abgebaute Sprunganlage mit den fünf Absprungmöglichkeiten im Hallenbad Haunstetten aufgrund des statischen Zustandes des Gebäudes nicht mehr errichtet werden kann. Somit verfügt Augsburg derzeit über keine attraktive öffentliche Sprunganlage mehr.

Das ehemalige Sportbad an der Schwimmschulstraße ist seit vielen Jahren außer Betrieb und laut einem Bericht der Sportverwaltung nicht mehr sanierungsfähig. Gleichzeitig wird das Spickelbad im Zuge des beschlossenen Ersatzneubaus für mehrere Jahre nicht zur Verfügung stehen. Bereits heute hat die in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsene Augsburger Bevölkerung zu wenig Wasserfläche und in den Augsburger Bädern bestehen deshalb seit Jahren Nutzungskonflikte zwischen Öffentlichkeit, Schulschwimmen und Vereinssport. Zudem haben die Kooperationspartner für die Periode 2026–2032 unter anderem vereinbart, Sportbad und Familienbad zu renovieren, am Ersatzneubau des Spickelbades festzuhalten und dort die Realisierung einer Sprunganlage zu prüfen.

 Die Augsburger Schwimm- und Wassersportvereine sowie Wasserrettungsorganisationen mit mehreren tausend aktiven Mitgliedern leisten neben ihrer wichtigen sportlichen Arbeit im Breiten- und Leistungssport einen bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag. Insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, aber auch im Erwachsenen- und Seniorenbereich, fördern sie Schwimmfähigkeit, Gesundheit und Wassersicherheit sowie soziale Interaktion, ehrenamtliches Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Schwimmbäder dienen nicht nur dem Freizeit- und Vereinssport, sondern sind zugleich ein unverzichtbarer Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge für Schulschwimmen, Schwimmausbildung, Wasserrettung sowie Gesundheits- und Präventionsarbeit.

Hinzu kommt, dass die Einwohnerzahl Augsburgs seit Mitte der 1970er-Jahre von weniger als 250.000 auf mehr als 300.000 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen ist. Gleichzeitig ist die verfügbare Wasserfläche nicht in gleichem Maße mitgewachsen, im Gegenteil: Augsburg hat das ehemals gebührenfreie Freibad und das Sportbad an der Schwimmschulstraße sowie das Hallenbad Bärenkeller verloren. Heute steht der Augsburger Bevölkerung pro Einwohner rund 20 Prozent weniger Wasserfläche in den Freibädern und sogar rund 40 Prozent weniger Wasserfläche in den Hallenbädern zur Verfügung.

Während Vereine früher für ihr Training die acht 50-Meter-Bahnen des ehemaligen Sportbades nutzen konnten, stehen an den meisten Tagen nur noch jeweils zwei 50-Meter-Bahnen im Familienbad oder im Bärenkellerbad zu eingeschränkten Zeiten für den Vereinssport sowie die Wasserrettungsorganisationen zur Verfügung. Dadurch steht auch der Öffentlichkeit nicht die volle Kapazität der beiden Becken zur Verfügung und die vorhandenen Wasserflächen können sowohl vom Vereinssport als auch von der Öffentlichkeit nur eingeschränkt genutzt werden.

Eine besondere Attraktion im Familienbad fehlt bislang. Ein Sprungturm stellt insbesondere für Kinder und Jugendliche eine attraktive Freizeit- und Bewegungsmöglichkeit dar, leistet einen positiven Beitrag zum sozialen Miteinander sowie zur Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und wird die Attraktivität des Familienbades besonders auch für Kinder und Jugendliche deutlich steigern. Ein attraktives Sprungangebot gehört in vielen Städten zur Grundausstattung moderner Freibäder.

Zudem benötigt die Abteilung Wasserspringen des SB Delphin 03 Augsburg dringend wieder Indoor- und Outdoor-Trainingsmöglichkeiten. Derzeit existiert weder in Augsburg noch im näheren Umland eine ausreichende Trainingsmöglichkeit. Damit ist nicht nur der Leistungssport betroffen, sondern die gesamte Nachwuchs-, Breiten- und Talentförderung in Augsburg. Das neue Sportbad mit Sprungbecken und die Sprunganlage im Spickelbad würden: 

  • zusätzliche Wasserfläche für Öffentlichkeit, Schulen und Vereine schaffen, 
  • Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten langfristig sichern, 
  • bestehende Freibäder deutlich entlasten, 
  • Ausweichkapazitäten während der sanierungsbedingten Schließung anderer Bäder bereitstellen, 
  • Wettkämpfe bis zur süddeutschen Ebene ermöglichen, 
  • parallele Nutzungen verbessern und Nutzungskonflikte entschärfen,
  • die Infrastruktur für die Öffentlichkeit, die Schulen und die Vereine im Bereich Schwimmen, Wasserball, Rettungssport, Tauchsport und Triathlon sowie die Wasserrettung langfristig sichern. 

Darüber hinaus wird ein separates Sprungbecken die Attraktivität des Familienbades an der Schwimmschulstraße steigern und gleichzeitig eine räumliche Entflechtung zwischen Sprungbetrieb und Schwimmbetrieb ermöglichen. Angesichts der angespannten Haushaltslage erscheint ein stufenweises und priorisiertes Vorgehen sinnvoll und notwendig.

Vorrang müssen deshalb die Schaffung zusätzlicher Wasserflächen sowie der Ausbau und Erhalt der dringend benötigten Sportinfrastruktur haben. Nicht zwingend erforderliche Zusatz- oder Komfortmaßnahmen sollten zeitlich nachrangig behandelt werden. Der Freistaat Bayern unterstützt Kommunen über das Sonderprogramm Schwimmbadförderung SPSF mit erheblichen Fördermitteln. Diese Fördermöglichkeiten sowie Förderungen nach dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) und gegebenenfalls weiteren Programmen sollten frühzeitig in die Projektentwicklung einbezogen werden. Eine frühzeitige Einbindung der Fördergeber erhöht die Planungssicherheit und verbessert die Chancen auf eine möglichst hohe Förderung. 

Mit freundlichen Grüßen

Leo Dietz
Fraktionsvorsitzender 
CSU-Fraktion im Augsburg Rathaus

Lara Hammer                         Benjamin Adam
Fraktionsvorsitzende               Fraktionsvorsitzender
Fraktionsgemeinschaft SPD/ÖDP/Volt

Hannes Aigner
Fraktionsvorsitzender 
Fraktion Freie Wähler Augsburg

Raphael Brandmiller
Fraktionsvorsitzender 
Generation AUX/FDP/Die Partei

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