Antrag: Augsburg entdecken – Heimatwissen und lokale Identität in der Grundschule stärken

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Heimat beginnt vor der eigenen Haustür. Kinder sollten wissen, in welcher Stadt sie leben, welche Geschichte Augsburg geprägt hat, welche Menschen, Orte, Traditionen und Bräuche zu ihrer Heimat gehören und was das Zusammenleben in unserer Stadt ausmacht.

Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Augsburg ist es wichtig, Kindern einen konkreten Zugang zu ihrem unmittelbaren Lebensumfeld zu ermöglichen. Wer seine Stadt kennt und versteht, kann leichter eine Verbindung zu ihr entwickeln und sich als Teil der Stadtgesellschaft begreifen. Heimatvermittlung ist dabei ausdrücklich keine Frage von Herkunft. Sie kann vielmehr ein verbindendes Element sein und Integration unterstützen.

Der Bayerische LehrplanPLUS sieht im Heimat- und Sachunterricht bereits zahlreiche Anknüpfungspunkte für soziale, kulturelle und historische Themen sowie für die unmittelbare Begegnung mit der Lebenswelt der Kinder vor. Auch außerschulische Lernorte und handlungsorientierte Angebote werden ausdrücklich als wichtige Bestandteile beschrieben.

Darüber hinaus zeigt das aktuelle Zertifizierungsprogramm „Volksmusik für Ganztagsbetreuung“ des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, dass gerade im Rahmen des schulischen Ganztags Möglichkeiten bestehen, Kindern über Musik, Singen, Tanzen und regionale Traditionen einen lebendigen Zugang zu bayerischer Kultur zu vermitteln. Das Programm richtet sich ausdrücklich auch an versierte Laien und umfasst neben musikalischen Inhalten auch ein Modul zu „Inklusion und Integration“.

Die Stadt Augsburg sollte diese Möglichkeiten aufgreifen und gemeinsam mit den Grundschulen ein eigenes, altersgerechtes und modulares Konzept zur Vermittlung von Augsburg-Wissen entwickeln.

Die CSU-Stadtratsfraktion stellt daher folgenden Antrag: 

Die Stadtverwaltung wird beauftragt zu prüfen, gemeinsam mit den Augsburger Grundschulen, dem Staatlichen Schulamt sowie geeigneten Partnern aus Kultur, Heimatpflege, Vereinen und außerschulischer Bildungsarbeit ein modulares Konzept „Mein Augsburg“ zu entwickeln.

Dabei sollen insbesondere folgende Bausteine geprüft werden:

  • Augsburger Geschichte: wichtige Ereignisse, Persönlichkeiten und Entwicklungen der Stadtgeschichte kindgerecht vermitteln;
  • Augsburg entdecken: Stadtteile, Plätze, Gebäude, Denkmäler, Gewässer und weitere besondere Orte als außerschulische Lernorte einbeziehen;
  • Traditionen und Bräuche: regionale Besonderheiten, Musik, Lieder, Tänze, Feste und Handwerk kennenlernen;
  • Augsburg heute: Stadtgesellschaft, Zusammenleben, Vereine, Ehrenamt und wichtige Einrichtungen der Stadt vermitteln;
  • Begegnung ermöglichen: Kooperationen mit Museen, Vereinen, Stiftungen, Heimatpflegern, Kulturschaffenden, Feuerwehr, Sportvereinen und weiteren Einrichtungen aufbauen;
  • Ganztagsbetreuung nutzen: prüfen, inwieweit entsprechende Module insbesondere im Rahmen der schulischen Ganztagsangebote eingesetzt werden können;
  • Integration mitdenken: die Angebote so gestalten, dass alle Kinder – unabhängig von ihrer familiären Herkunft – Augsburg kennenlernen, Gemeinsamkeiten entdecken und einen eigenen Bezug zu ihrer Stadt entwickeln können;
  • Bestehende Angebote bündeln: bereits vorhandene Materialien und Angebote, beispielsweise für die Klassenstufen 3 und 4, systematisch erfassen und für die Schulen leichter zugänglich machen.

Dabei soll ausdrücklich geprüft werden, ob bestehende Qualifizierungsangebote, beispielsweise das Zertifizierungsprogramm „Volksmusik für Ganztagsbetreuung“ des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, für Kooperationen oder als fachlicher Anknüpfungspunkt genutzt werden können.

Das Konzept soll modular aufgebaut sein, sodass einzelne Bausteine unabhängig voneinander und passend zu Alter, Schulprofil und Stadtteil eingesetzt werden können.

Begründung

Augsburg ist eine Stadt mit einer über 2.000-jährigen Geschichte, einer großen kulturellen Vielfalt und einer starken Vereins- und Ehrenamtslandschaft. Dieses Wissen sollte für Kinder nicht nur abstrakt im Unterricht vorkommen, sondern erlebbar und begreifbar werden.

Ein Kind sollte beispielsweise wissen können, warum sein Stadtteil so heißt, was es mit dem Lech auf sich hat, welche Bedeutung die Fuggerei oder das Rathaus besitzt, welche Traditionen in Augsburg gepflegt werden oder welche Vereine und Menschen das Leben vor Ort prägen.

Gerade für Kinder, deren Familiengeschichte nicht in Augsburg oder Bayern beginnt, kann ein solcher Zugang wertvoll sein. Integration bedeutet nicht, die eigene Herkunft aufzugeben. Sie bedeutet auch, einen Bezug zu dem Ort entwickeln zu können, an dem man lebt. Gemeinsames Wissen über die Stadt und ihre Geschichte kann dabei eine verbindende Grundlage schaffen.

Der Anspruch auf schulische Ganztagsbetreuung ab dem Schuljahr 2026/27 eröffnet zugleich zusätzliche Möglichkeiten, außerschulische und kulturelle Angebote stärker in den Alltag der Grundschulkinder einzubinden. Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege zeigt mit seinem modularen Qualifizierungsprogramm bereits einen konkreten Ansatz, wie regionale Kultur, Musik und Traditionen auch durch entsprechend qualifizierte Laien in die Ganztagsbetreuung eingebracht werden können.

Die CSU-Fraktion möchte deshalb keinen zusätzlichen bürokratischen Unterrichtsaufwand schaffen, sondern vorhandene Möglichkeiten besser nutzen und für Augsburg bündeln.

Unser Ziel ist ein Augsburg, das seine Geschichte kennt, seine Traditionen pflegt, seine Vielfalt wertschätzt und Kindern unabhängig von ihrer Herkunft die Möglichkeit gibt zu sagen: Das ist meine Stadt. Hier bin ich zu Hause.

Mit freundlichen Grüßen

Leo Dietz                                                                
Fraktionsvorsitzender                                                

Bernd Zitzelsberger
3. Bürgermeister

Ruth Hintersberger                                                   
Stv. Fraktionsvorsitzende                                                         

Tanja Rüb
Stadträtin

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